FAQs*

* Frequenty asked questions = häufig gestellte Fragen

* Frequenty asked questions = häufig gestellte Fragen

Ist Gebärdensprache international?

Nein. Gebärdensprachen sind natürliche Sprachen. Sie entstehen, wo taube Menschen miteinander in Kontakt treten und unterliegen sprachlichen Entwicklungen, genau wie andere Sprachen auch. Jedes Land hat seine eigene nationale Gebärdensprache und auch innerhalb der Länder können Dialekte bzw. regionale Variationen auftreten. So gibt es in der Deutschen Gebärdensprache für einen Begriff in verschiedenen Regionen durchaus unterschiedliche Gebärden. Trotzdem können sich die Nutzer*innen untereinander gut verständigen.

Auch auf internationaler Ebene ist es für Gebärdensprachnutzer*innen oftmals einfacher miteinander in einen Austausch zu kommen. Grund dafür sind zum Teil gleichartige ikonische Ausdrucksformen in den verschiedenen Gebärdensprachen. Jeder Mensch versteht die natürlichen Gebärden für Essen, Trinken, Schlafen. Die gleichen Begriffe verschiedener Lautsprachen können sich dagegen sehr unterscheiden.

Daneben wird für internationale Zusammenkünfte oder für Veröffentlichungen in Sozialen Medien beispielsweise „International Sign (IS)“ genutzt. Dabei handelt es sich jedoch um keine eigenständige Sprache, sondern ist in etwa vergleichbar mit „Esperanto“ der Lautsprachen.

Zuletzt aktualisiert am 1. Februar 2021 von Danny Igersky.

Wo kann ich Gebärdensprache lernen? Wie lange dauert das?

Im Prinzip dauert es ebenso lang wie das Erlernen anderer Sprachen. Gebärdensprache kann in Kursen z. B. in der Volkshochschule gelernt werden. Jeder hat sicher Erfahrungen damit, eine Fremdsprache zu lernen. Es kommt ganz darauf an, wie viel Talent die Person mitbringt und wie motiviert sie auf ein gestecktes Ziel hinarbeitet.

DGS - Gebärdensprache lernen

Für die Arbeit als Gebärdensprachdolmetscher*in wird ein Studium an einer Hochschule oder Universität benötigt.

Ausbildungsinstitute für Gebärdensprachdolmetscher*innen

Zuletzt aktualisiert am 25. März 2021 von Danny Igersky.

Übersetzen Gebärdensprach­dolmetscher*innen Wort für Wort?

Nein. Gebärdensprachdolmetscher*innen übertragen alle Inhalte aus der einen Sprache in die grammatikalisch richtige Formulierung der Zielsprache. Wir kennen das aus anderen Sprachen: Wenn wir beispielsweise einen Satz aus dem Englischen Wort für Wort ins Deutsche übertragen, kann das lustig enden!

Anders verhält es sich bei Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG), die keine eigenständige Sprache bilden. Es handelt sich um ein Kommunikationsmittel, welches das Gesprochene visualisiert. Die Dolmetscher*in folgt der grammatikalischen Struktur des Deutschen, während sie sich des Lexikons der DGS bedient. Das bedeutet, dass die einzelnen Wörter der gesprochenen Sätze jeweils mit Gebärden begleitet werden.

LBG wird vorrangig von Menschen benutzt, die schwerhörig oder spät ertaubt sind. Also Personen, deren Spracherwerb mit der Deutschen Lautsprache erfolgt ist. Sie sind sehr auf das Mundbild des Gegenübers angewiesen, um Gesagtes zu verstehen.

Zuletzt aktualisiert am 14. Dezember 2021 von Danny Igersky.

Warum arbeiten Gebärdensprac­h­dolmetscher*innen manchmal allein und manchmal zu zweit?

Gebärdensprachdolmetscher*innen dolmetschen in der Regel simultan. Das bedeutet, dass mehrere Prozesse im Gehirn parallel ablaufen. Vereinfacht dargestellt wird der Sinn einer Aussage

  1. des hörenden oder tauben Gesprächspartners erfasst,
  2. in die grammatikalische Struktur der jeweils anderen Sprache übertragen und schließlich
  3. in der jeweils anderen Sprache für den tauben oder hörenden Gesprächspartner formuliert.

Das bedeutet für die Dolmetscher*innen, dass sie mit allen drei Schritten gleichzeitig beschäftigt sind, um eine fließende Verdolmetschung zu ermöglichen.

Das Gehirn leistet während des simultanen Dolmetschens also dreifache Arbeit. So wird verständlich, dass die Konzentration nach einer gewissen Zeitspanne abnimmt. Um die Arbeitsleistung zu erhalten und um Fehler im Dolmetschprozess zu vermeiden, arbeiten Gebärdensprachdolmetscher*innen in bestimmten Situationen im Team abwechselnd. Die Co-Dolmetschenden bleiben auch in der scheinbar inaktiven Phase aufmerksam, um unterstützen zu können, so dass der Gesprächsfluss nicht durch Nachfragen unterbrochen werden muss. Eine besondere Herausforderung stellen beispielsweise firmeninterne Abkürzungen, Namen, besonders leise Redner*innen oder eine störende Geräuschkulisse dar.

(siehe auch Dolmetschen - was ist das?)

Zuletzt aktualisiert am 30. März 2021 von Danny Igersky.

Arbeiten Gebärdensprach­dolmetscher*innen als Lehrer*innen an Gehörlosenschulen?

Nein. Das sind zwei unterschiedliche Berufe mit gänzlich unterschiedlichen Ausbildungen. Lehrer*innen unterrichten taube und schwerhörige Schüler*innen. Gebärdensprachdolmetscher*innen kommen dort zum Einsatz, wo hörende (nicht gebärdensprachkompetente) und taube Menschen miteinander kommunizieren wollen.

(siehe auch Dolmetschen - was ist das?)

Zuletzt aktualisiert am 24. März 2021 von Danny Igersky.

Können gehörlose Menschen von den Lippen lesen?

Nein. Von den Lippen kann man nicht im üblichen Sinne “lesen”. Lediglich 30 Prozent aller Laute werden sichtbar mit dem Mund gebildet. Zusätzlich ist für das Vom-Mund-Absehen kontextuelles Wissen vonnöten, da sich viele Laute vom Mundbild her vollkommen gleichen. Ein Paradebeispiel hierfür ist: “Butter” und “Mutter”. Daher setzt diese anstrengende Art der Kommunikation eine gute Kombinationsgabe, Talent sowie Kenntnisse der Lautsprache voraus, um die Äußerungen zu verstehen. Sie ist durchaus eine Quelle für Missverständnisse.

Weitere häufig gestellte Fragen finden Sie beispielsweise unter www.dgsd.de

Zuletzt aktualisiert am 14. Dezember 2021 von Danny Igersky.