Warum arbeiten Gebärdensprac­h­dolmetscher*innen manchmal allein und manchmal zu zweit?

Gebärdensprachdolmetscher*innen dolmetschen in der Regel simultan. Das bedeutet, dass mehrere Prozesse im Gehirn parallel ablaufen. Vereinfacht dargestellt wird der Sinn einer Aussage

  1. des hörenden oder tauben Gesprächspartners erfasst,
  2. in die grammatikalische Struktur der jeweils anderen Sprache übertragen und schließlich
  3. in der jeweils anderen Sprache für den tauben oder hörenden Gesprächspartner formuliert.

Das bedeutet für die Dolmetscher*innen, dass sie mit allen drei Schritten gleichzeitig beschäftigt sind, um eine fließende Verdolmetschung zu ermöglichen.

Das Gehirn leistet während des simultanen Dolmetschens also dreifache Arbeit. So wird verständlich, dass die Konzentration nach einer gewissen Zeitspanne abnimmt. Um die Arbeitsleistung zu erhalten und um Fehler im Dolmetschprozess zu vermeiden, arbeiten Gebärdensprachdolmetscher*innen in bestimmten Situationen im Team abwechselnd. Die Co-Dolmetschenden bleiben auch in der scheinbar inaktiven Phase aufmerksam, um unterstützen zu können, so dass der Gesprächsfluss nicht durch Nachfragen unterbrochen werden muss. Eine besondere Herausforderung stellen beispielsweise firmeninterne Abkürzungen, Namen, besonders leise Redner*innen oder eine störende Geräuschkulisse dar.

(siehe auch Dolmetschen - was ist das?)

Zuletzt aktualisiert am 30. März 2021 von Danny Igersky.

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